Der häufigste Einwand gegen die Wärmepumpe im Altbau lautet: „Meine alten Heizkörper brauchen 65 oder 70 °C – das schafft eine Wärmepumpe doch gar nicht." Lange war da etwas dran. Moderne Hochtemperatur-Wärmepumpen drehen dieses Argument um: Sie liefern dauerhaft Vorlauftemperaturen bis 75 °C – warm genug, um vorhandene Heizkörper ohne kompletten Austausch weiterzubetreiben.
Möglich macht das vor allem das natürliche Kältemittel R290 (Propan). Dieser Ratgeber erklärt, was eine Hochtemperatur-Wärmepumpe ausmacht, bis zu welcher Temperatur sie heizt, was hohe Vorlauftemperaturen bei der Effizienz kosten, für welches Haus sie sich lohnt – und welche Modelle aus unserem Sortiment bis 70–75 °C schaffen.
Das Wichtigste in Kürze
- Definition: Eine Hochtemperatur-Wärmepumpe erzeugt dauerhaft mindestens 65 °C, moderne Geräte bis 70–75 °C Vorlauftemperatur.
- Schlüssel ist R290 (Propan): erreicht mit nur einem Kältekreis bis 75 °C – ältere Kältemittel wie R32 oder R410A kamen effizient kaum über 55–60 °C.
- Größter Vorteil: Altbau mit vorhandenen Heizkörpern ohne Flächentausch, und Warmwasser über 60 °C (Legionellenschutz) ohne elektrischen Heizstab.
- Der Haken: Je höher der Vorlauf, desto niedriger die Effizienz – rund 2–3 % je Grad. Ein SCOP über 3,5 ist realistisch nur bis etwa 55 °C.
- Aus unserem Sortiment: Bosch Compress 6800i AW (bis 75 °C) ab 9.299 €, Viessmann Vitocal 250-A (bis 70 °C) ab 11.750 € – beide mit R290.
- Förderung: über die BEG/KfW 458 bis zu 80 % Zuschuss (die Wärmepumpe unterliegt 19 % MwSt., nicht dem Nullsteuersatz).
Was ist eine Hochtemperatur-Wärmepumpe?
Als Hochtemperatur-Wärmepumpe gelten Luft-Wasser- oder Sole-Wasser-Wärmepumpen, die dauerhaft Vorlauftemperaturen von mindestens 65 °C bereitstellen – die besten Geräte bis 70–75 °C, teils selbst bei zweistelligen Minusgraden. Die Vorlauftemperatur ist die Temperatur, mit der das Heizungswasser zu den Heizflächen läuft. Fußbodenheizungen kommen mit 30–40 °C aus, klassische Heizkörper im Altbau brauchen an kalten Tagen oft 55–70 °C. Welche Werte für Fußbodenheizung und Heizkörper optimal sind, erklärt der Ratgeber Vorlauftemperatur der Wärmepumpe.
Genau hier setzt die Hochtemperatur-Wärmepumpe an: Sie erreicht das Temperaturniveau, das die vorhandenen Heizkörper verlangen – und macht damit den Umstieg im Bestand möglich, ohne zuerst alle Heizflächen zu vergrößern. Wie hoch der Vorlauf wirklich sein muss, hängt vom Haus ab; mehr dazu im Ratgeber Wärmepumpe & Heizkörper und im Überblick Wärmepumpe im Altbau.
Warum R290 hohe Vorlauftemperaturen möglich macht
Der technische Durchbruch der letzten Jahre ist das Kältemittel R290 (Propan). Seine thermodynamischen Eigenschaften erlauben es, mit einem einzigen Kältekreis Vorlauftemperaturen bis 75 °C zu erreichen – ein Bereich, den ältere Kältemittel wie R410A oder R32 effizient kaum über 55–60 °C bedienen konnten (dort waren dafür oft aufwendige Kaskaden nötig). Warum Propan als Kältemittel so überzeugt und worauf du bei Sicherheit und Abständen achten musst, vertieft der Ratgeber Propan-Wärmepumpe (R290).
Dazu kommen zwei weitere Vorteile:
- Sehr niedriges Treibhauspotenzial: R290 hat einen GWP von rund 3 – ein Bruchteil synthetischer Kältemittel (R410A: über 2.000). Damit sind R290-Geräte zukunftssicher gegenüber dem gesetzlichen F-Gas-Ausstieg.
- Bauform Monoblock: Fast alle R290-Hochtemperatur-Geräte sind Monoblöcke – der Kältekreis sitzt komplett im Außengerät, ins Haus läuft nur Heizungswasser. Das spart den F-Gas-„Kälteschein" bei der Installation. Details im Ratgeber Monoblock-Wärmepumpe.
Der Effizienz-Trade-off: was hohe Vorlauftemperaturen kosten
Nur weil eine Wärmepumpe 75 °C kann, heißt das nicht, dass sie dauerhaft so laufen sollte. Jedes Grad höhere Vorlauftemperatur senkt die Effizienz um rund 2–3 %. Das zeigt sich direkt am SCOP (dem saisonalen Wirkungsgrad, siehe Ratgeber Wärmepumpe COP):
| Vorlauftemperatur | Heizfläche | Effizienz (grobe Orientierung) |
|---|---|---|
| 35 °C | Fußbodenheizung | SCOP ~4,5–5,0 (sehr effizient) |
| 45 °C | große Heizkörper / Flächen | SCOP ~4,0 |
| 55 °C | Heizkörper (richtig ausgelegt) | SCOP ~3,6–3,9 |
| 65–70 °C | alte Heizkörper, unsaniert | JAZ oft nur ~2,0–2,5 |
In der Praxis bestätigt sich das: Läuft eine Hochtemperatur-Wärmepumpe im unsanierten Altbau permanent auf 65–70 °C, liegt die Jahresarbeitszahl (JAZ) häufig nur bei 2,0–2,5. Schon mit einem hydraulischen Abgleich und etwas Dämmung (z. B. der Kellerdecke) lässt sich die durchschnittliche Vorlauftemperatur oft von 68 auf 58 °C senken – die JAZ steigt dann auf 2,8–3,2. Für die Förderung relevant: Die KfW (Programm 458) verlangt eine jahreszeitbezogene Raumheizungs-Effizienz von mindestens η_s 125 %, was grob einem SCOP von 3,2 entspricht – aktuelle Hochtemperatur-Geräte erfüllen das.
Die Botschaft ist also nicht „Hochtemperatur ist ineffizient", sondern: Die Hochtemperatur-Fähigkeit ist die Sicherheitsreserve für die kältesten Tage – den Großteil des Jahres sollte die Anlage über eine gut eingestellte Heizkurve mit deutlich niedrigerem Vorlauf laufen.
Für wen lohnt sich eine Hochtemperatur-Wärmepumpe?
Sinnvoll ist sie überall dort, wo hohe Vorlauftemperaturen gebraucht werden – typischerweise:
- Altbau mit vorhandenen Heizkörpern, die (noch) nicht getauscht werden sollen.
- Teilsanierte Häuser, in denen einzelne Räume höhere Temperaturen brauchen.
- Hoher Warmwasserkomfort: Für den Legionellenschutz sind rund 60 °C Speichertemperatur nötig – eine Hochtemperatur-Wärmepumpe schafft das ohne teuren elektrischen Heizstab.
Weniger nötig ist sie im gut gedämmten Neubau mit Fußbodenheizung: Dort reicht eine Standard-Wärmepumpe mit niedrigem Vorlauf, die effizienter und günstiger ist. Ob dein Haus wirklich Hochtemperatur braucht, entscheidet die Heizlast und die Auslegung deiner Heizflächen – im Zweifel prüft das der Fachbetrieb.
Trotz Hochtemperatur: Vorlauftemperatur senken lohnt sich
Auch mit einer Hochtemperatur-Wärmepumpe gilt: Jedes Grad weniger spart Strom. Diese Maßnahmen holen ohne kompletten Heizungstausch am meisten heraus:
- Hydraulischer Abgleich – verteilt die Wärme gleichmäßig, senkt die nötige Vorlauftemperatur spürbar (und ist Förder-Voraussetzung).
- Heizkurve richtig einstellen – so niedrig wie möglich, so hoch wie nötig.
- Einzelne Heizkörper vergrößern – oft reicht es, in wenigen Räumen (z. B. Bad, Nordzimmer) größere Typen oder Niedertemperatur-Heizkörper einzusetzen.
- Punktuelle Dämmung – Kellerdecke, oberste Geschossdecke, Rohrleitungen.
Beispiele aus unserem Sortiment
Zwei Hochtemperatur-fähige Monoblock-Wärmepumpen aus unserem Programm (Herstellerangaben laut Datenblatt):
- Bosch Compress 6800i AW – Luft-Wasser-Monoblock mit R290, Vorlauf bis 75 °C (bei −10 °C Außentemperatur noch bis 65 °C), SCOP bis 4,77 (bei 55 °C Vorlauf 3,64), 4–12 kW, Made in Germany. Bei uns als anschlussfertiges Komplettpaket ab 9.299 € (4 kW; 7 kW 10.990 €, 12 kW 12.990 €).
- Viessmann Vitocal 250-A – Luft-Wasser-Monoblock mit R290, Vorlauf bis 70 °C auch bei −10 °C, SCOP bis 5,01 (bei 55 °C Vorlauf noch 3,87), mit 300-l-Speicher. Bei uns ab 11.750 €.
Beide erreichen die Temperaturen, die Altbau-Heizkörper verlangen, bleiben mit R290 zukunftssicher und sind förderfähig. Welche Leistung zu deinem Haus passt, hängt von Heizlast und Vorlauftemperatur ab. Alle Modelle findest du in unserer Wärmepumpen-Kollektion und speziell bei Bosch Wärmepumpen; die Modellwahl erklärt der Ratgeber Bosch Wärmepumpe: 5800i oder 6800i?. Einen umfassenden Überblick über alle Kaufkriterien gibt dir die Kaufberatung Wärmepumpe.
Was kostet eine Hochtemperatur-Wärmepumpe – und was zahlt die Förderung?
Für das reine Gerät als Komplettpaket liegen Hochtemperatur-Monoblöcke je nach Leistung etwa zwischen 9.000 und 15.000 € (siehe Preise oben). Schlüsselfertig – inklusive Installation, Speicher, hydraulischem Abgleich und Anschluss durch den Fachbetrieb – bewegen sich Luft-Wasser-Wärmepumpen meist im Bereich 25.000–40.000 €. Wer die Technik zu Fachhandelspreisen kauft und nur die Montage über einen Betrieb vor Ort abwickelt, spart gegenüber dem Komplettangebot deutlich.
Bei der Förderung greift 2026 die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) über die KfW (Programm 458): 30 % Grundförderung, dazu Klima-Geschwindigkeitsbonus (16 % beim Heizungstausch) und Einkommensbonus (bis 40 %) – kombiniert bis zu 80 % der förderfähigen Kosten (max. 28.000 €, also bis 22.400 € Zuschuss). Weil Hochtemperatur-Geräte das natürliche Kältemittel R290 nutzen, können sie zusätzlich den Effizienzbonus auslösen. Wichtig: Eine Wärmepumpe unterliegt den regulären 19 % MwSt. (der Nullsteuersatz gilt nur für PV-Anlagen und -Speicher) – dafür federt die Förderung ab. Ab 2027 soll die Grundförderung sinken; Details im Ratgeber Wärmepumpen-Förderung 2026 und Wärmepumpe Kosten.
Am günstigsten heizt die Wärmepumpe übrigens mit eigenem Solarstrom – wie das zusammenspielt, zeigt Wärmepumpe mit Photovoltaik.
Checkliste: Braucht dein Haus wirklich Hochtemperatur?
- Welche Vorlauftemperatur brauchen deine Heizkörper an kalten Tagen wirklich (Messung/Heizlast)?
- Reicht nach hydraulischem Abgleich evtl. schon eine Standard-Wärmepumpe (≤ 55 °C)?
- Sollen die vorhandenen Heizkörper bleiben – oder lassen sich einzelne günstig vergrößern?
- Wird Warmwasser über 60 °C benötigt (Legionellenschutz ohne Heizstab)?
- Ist der Aufstellort für ein R290-Außengerät geeignet (Abstände, Schall)?
- Ist der Förderantrag vor der Auftragsvergabe gestellt?
Häufige Fragen zur Hochtemperatur-Wärmepumpe
Bis wie viel Grad heizt eine Hochtemperatur-Wärmepumpe?
Moderne R290-Geräte erreichen dauerhaft bis 70–75 °C Vorlauftemperatur, teils selbst bei zweistelligen Minusgraden. Damit lassen sich vorhandene Altbau-Heizkörper betreiben.
Welche Wärmepumpe eignet sich für alte Heizkörper?
Eine Hochtemperatur-Wärmepumpe mit R290, z. B. die Bosch Compress 6800i AW (bis 75 °C) oder Viessmann Vitocal 250-A (bis 70 °C). Sie kommen meist mit den vorhandenen Heizkörpern aus.
Wie effizient ist eine Wärmepumpe bei 70 °C?
Bei dauerhaft 65–70 °C liegt die JAZ im unsanierten Altbau oft nur bei 2,0–2,5. Mit hydraulischem Abgleich und etwas Dämmung sind 2,8–3,2 realistisch. Effizient wird es vor allem unter 55 °C.
Lohnt sich eine Hochtemperatur-Wärmepumpe im Altbau?
Ja, wenn die Heizkörper hohe Temperaturen brauchen und nicht getauscht werden sollen. Sie ermöglicht den Umstieg ohne Flächentausch – am wirtschaftlichsten ist sie, wenn man die Vorlauftemperatur trotzdem so weit wie möglich senkt.
Ist R290 (Propan) sicher?
Ja. Beim Monoblock bleibt die geringe Kältemittelmenge komplett im Außengerät eingeschlossen. Nach DIN EN 378 sind Sicherheitsabstände (rund 1 m zu Fenstern und Schächten) einzuhalten – der Fachbetrieb plant das ein.
Was kostet eine Hochtemperatur-Wärmepumpe?
Als Komplettpaket je nach Leistung ca. 9.000–15.000 €, schlüsselfertig meist 25.000–40.000 €. Über die BEG/KfW 458 sind bis zu 80 % Zuschuss möglich.
Gibt es 0 % Mehrwertsteuer auf die Wärmepumpe?
Nein. Der Nullsteuersatz gilt nur für Photovoltaikanlagen und -speicher. Für Wärmepumpen fallen 19 % MwSt. an – die Förderung senkt den Eigenanteil aber deutlich.
Fazit
Die Hochtemperatur-Wärmepumpe macht den Umstieg im Altbau möglich, ohne dass zuerst alle Heizkörper raus müssen: Dank R290 erreicht sie bis zu 75 °C Vorlauf und liefert auch heißes Warmwasser ohne Heizstab. Der Preis dafür ist eine geringere Effizienz bei hohen Temperaturen – deshalb lohnt es sich, die Vorlauftemperatur über hydraulischen Abgleich und punktuelle Maßnahmen so weit wie möglich zu senken. Passende, förderfähige R290-Geräte findest du in unserer Wärmepumpen-Kollektion.
Stand: August 2026. Technische Angaben nach Herstellerdatenblatt (Bosch Compress 6800i AW, Viessmann Vitocal 250-A); Effizienz- und JAZ-Werte sind Richtwerte je nach Gebäude und Auslegung; Förderangaben nach BEG/KfW 458, Stand 2026. Dieser Beitrag ist eine allgemeine Information und ersetzt keine Fachplanung im Einzelfall.






