Wer sich heute mit Wärmepumpen beschäftigt, stößt schnell auf vier Zeichen: R290. Dahinter steckt schlicht Propan – ein natürliches Kältemittel, das die Branche in kurzer Zeit zum neuen Standard gemacht hat. Der Grund ist eine seltene Kombination: R290 ist klimafreundlich, hocheffizient, erreicht hohe Vorlauftemperaturen und ist – anders als synthetische Kältemittel – auch nach 2027 noch erlaubt.
Dieser Ratgeber erklärt, was R290 ist, warum es die Zukunft der Wärmepumpe ist, welche Vorteile es bringt, wie es um Sicherheit und Abstände steht (Stichwort Brennbarkeit) – und welche Modelle aus unserem Sortiment mit Propan arbeiten.
Auf einen Blick
- R290 = Propan: ein natürliches Kältemittel mit sehr niedrigem Treibhauspotenzial (GWP rund 3), fluor- und PFAS-frei.
- Zukunftssicher: Ab 2027 dürfen neue Wärmepumpen in der EU nur noch Kältemittel mit GWP unter 150 nutzen – das trifft die synthetischen Kältemittel, R290 bleibt.
- Leistungsstark: Vorlauftemperaturen bis 75 °C (altbautauglich) und ein etwas höherer COP als bei R410A.
- Sicherheit: R290 ist brennbar (Sicherheitsgruppe A3). Deshalb gilt bei Außenaufstellung ein Schutzbereich von rund 1 m ohne Öffnungen (DIN EN 378).
- Monoblock bevorzugt: Kältekreis komplett im Außengerät – kein Propan im Haus.
- Förderbonus: Das natürliche Kältemittel löst einen 5-%-Effizienzbonus bei der BEG aus.
Was ist R290 (Propan) als Kältemittel?
Das Kältemittel ist das Herz jeder Wärmepumpe: Es nimmt Wärme aus der Umgebungsluft auf, wird vom Verdichter verdichtet und gibt die Wärme auf höherem Temperaturniveau an das Heizungswasser ab. R290 ist die Bezeichnung für Propan – einen natürlichen Kohlenwasserstoff, der ohne Fluor auskommt und damit auch PFAS-frei ist (anders als synthetische F-Gase). Chemisch ist es dasselbe Gas wie im Campinggaskocher – in der Wärmepumpe aber in kleiner Menge und in einem hermetisch geschlossenen Kreislauf.
Fast alle modernen Luft-Wasser-Wärmepumpen setzen inzwischen auf R290 – meist in der Monoblock-Bauform, bei der der gesamte Kältekreis im Außengerät sitzt.
Warum R290 die Zukunft der Wärmepumpe ist
Der wichtigste Grund ist gesetzlich: Die F-Gas-Verordnung steuert den Ausstieg aus klimaschädlichen Kältemitteln. Ab 2027 dürfen in der EU neue Wärmepumpen nur noch Kältemittel mit einem GWP unter 150 verwenden. Das trifft praktisch alle synthetischen Kältemittel der aktuellen Generation (R410A liegt bei über 2.000, R32 bei rund 675). Übrig bleibt vor allem eines: Propan mit einem GWP von rund 3.
Wer heute eine R290-Wärmepumpe kauft, investiert also in eine Technik, die auch künftig erlaubt, lieferbar und wartbar ist – ohne das Risiko, in wenigen Jahren auf einem Gerät mit auslaufendem Kältemittel zu sitzen.
Die Vorteile von Propan im Detail
- Hohe Vorlauftemperatur: R290 erreicht mit nur einem Kältekreis bis zu 75 °C – teils selbst bei zweistelligen Minusgraden. Das macht die Wärmepumpe im Altbau mit vorhandenen Heizkörpern möglich – Details dazu im Ratgeber Hochtemperatur-Wärmepumpe.
- Bessere Effizienz: Gegenüber vergleichbaren R410A-Geräten liegt der COP oft um 0,2 bis 0,4 höher – bei gleicher Wärme also weniger Strom (mehr dazu im Ratgeber Wärmepumpe COP).
- Klimafreundlich: GWP rund 3 statt über 2.000 – und PFAS-frei.
- Günstig verfügbar: Propan ist preiswert und weltweit verfügbar.
- Förderbonus: Als natürliches Kältemittel löst R290 den 5-%-Effizienzbonus der BEG aus.
Ist eine Propan-Wärmepumpe gefährlich? Sicherheit und Abstände
Eine berechtigte Frage bei einem brennbaren Gas. Nach der Sicherheitsnorm DIN EN 378 ist R290 der Sicherheitsgruppe A3 (leicht entflammbar) zugeordnet und unterliegt deshalb erhöhten Anforderungen. In der Praxis ist das Risiko aber gut beherrschbar – aus zwei Gründen:
- Kleine Menge, geschlossenes System: In einer Wärmepumpe zirkuliert nur wenig Propan, hermetisch abgedichtet im Kältekreis. Beim Monoblock bleibt es komplett im Außengerät.
- Aufstellung im Freien: Die allermeisten R290-Wärmepumpen stehen draußen, wo sich austretendes Gas sofort verflüchtigt.
Die Sicherheitsabstände nach DIN EN 378
Weil Propan schwerer als Luft ist, darf sich bei einer – sehr seltenen – Leckage kein Gas in Öffnungen sammeln, in die es abfließen könnte. Deshalb gilt rund um das Außengerät ein Schutzbereich von etwa 1 Meter, in dem keine Fenster, Türen, Lüftungsöffnungen, Lichtschächte, Kellerzugänge oder offenen Schächte (auch Fallrohre und Kanalöffnungen) liegen dürfen. Der Fachbetrieb berücksichtigt diesen Schutzbereich bei der Standortwahl. Für die Innenaufstellung gelten ab einer Füllmenge von mehr als 150 g deutlich strengere Regeln – ein weiterer Grund, warum die Monoblock-Außenaufstellung Standard ist.
Beispiele aus unserem Sortiment
Alle Wärmepumpen, die wir führen, arbeiten mit R290 (Herstellerangaben laut Datenblatt):
- Bosch Compress 6800i AW – Vorlauf bis 75 °C, SCOP bis 4,77, 4–12 kW, Made in Germany. Als Komplettpaket ab 9.299 €.
- Bosch Compress 5800i AW – Vorlauf bis 60 °C, SCOP bis 4,77 – für Neubau und sanierte Häuser mit Flächenheizung.
- Viessmann Vitocal 250-A – Vorlauf bis 70 °C, SCOP bis 5,01, mit 300-l-Speicher, ab 11.750 €.
Welche Bauart und Leistung zu deinem Haus passt, hängt von Heizlast und Vorlauftemperatur ab. Alle Geräte findest du in unserer Wärmepumpen-Kollektion, die Bosch-Modelle bei Bosch Wärmepumpen. Wie du die richtige Bauart wählst, zeigt der Überblick zu den Wärmepumpen-Arten; die kompakte Split-Wärmepumpe ist eine Alternative zum Monoblock. Worauf es beim Kauf sonst noch ankommt, fasst die Kaufberatung Wärmepumpe zusammen.
Kosten, Förderung und Betrieb
Im Preis unterscheiden sich R290-Geräte kaum von anderen modernen Wärmepumpen – die Technik ist ausgereift und in Großserie. Über die BEG/KfW 458 sind 2026 bis zu 80 % Zuschuss möglich; dank des natürlichen Kältemittels kommt der 5-%-Effizienzbonus obendrauf. Hinweis: Für Wärmepumpen gelten die regulären 19 % MwSt. (der Nullsteuersatz betrifft nur PV-Anlagen und -Speicher) – die Förderung senkt den Eigenanteil dafür deutlich. Details im Ratgeber Wärmepumpen-Förderung 2026. Am günstigsten heizt die Wärmepumpe mit eigenem Solarstrom – siehe Wärmepumpe mit Photovoltaik.
Häufige Fragen zur Propan-Wärmepumpe
Ist eine Propan-Wärmepumpe gefährlich?
R290 ist brennbar (Sicherheitsgruppe A3), zirkuliert aber nur in kleiner Menge in einem geschlossenen Kreislauf und steht beim Monoblock komplett draußen. Mit dem 1-m-Schutzbereich nach DIN EN 378 ist das Risiko gut beherrschbar.
Welche Abstände braucht eine R290-Wärmepumpe?
Rund 1 m Schutzbereich am Boden ohne Fenster, Türen, Lüftungsöffnungen, Lichtschächte oder offene Schächte, damit sich bei einer Leckage kein Gas sammeln kann. Der Fachbetrieb plant das ein.
Warum R290 statt R32 oder R410A?
R290 hat ein GWP von rund 3 statt 675 (R32) bzw. über 2.000 (R410A), erreicht höhere Vorlauftemperaturen und arbeitet effizienter. Ab 2027 sind in der EU nur noch Kältemittel mit GWP unter 150 für neue Wärmepumpen erlaubt.
Ist eine R290-Wärmepumpe effizienter?
Gegenüber vergleichbaren R410A-Geräten liegt der COP häufig um 0,2 bis 0,4 höher – das senkt den Stromverbrauch über die Heizsaison.
Gibt es für R290 mehr Förderung?
Ja. Als natürliches Kältemittel löst R290 den 5-%-Effizienzbonus der BEG aus, der sich mit den übrigen Boni kombinieren lässt.
Schafft eine Propan-Wärmepumpe den Altbau?
Ja. Dank Vorlauftemperaturen bis 75 °C eignen sich R290-Geräte auch für Bestandsgebäude mit vorhandenen Heizkörpern.
Ist R290 dasselbe wie Campinggas?
Chemisch ist es Propan – ja. In der Wärmepumpe wird es aber in kleiner Menge in einem geschlossenen, geprüften Kältekreis eingesetzt, nicht offen verbrannt.
Fazit
R290 (Propan) ist nicht nur ein weiteres Kältemittel, sondern die Antwort auf gleich mehrere Anforderungen: klimafreundlich (GWP 3), effizient, hochtemperaturfähig bis 75 °C und ab 2027 die einzige praktikable Wahl für neue Wärmepumpen. Die Brennbarkeit ist über die kleine Menge, das geschlossene System und den 1-m-Schutzbereich sicher im Griff. Alle Modelle in unserem Sortiment arbeiten mit R290 – zu finden in der Wärmepumpen-Kollektion.
Stand: August 2026. Angaben zu Sicherheit und Aufstellung nach DIN EN 378 und dem BWP-Leitfaden zu brennbaren Kältemitteln; Kältemittel- und Förderregeln nach F-Gas-Verordnung bzw. BEG/KfW 458; technische Angaben nach Herstellerdatenblatt (Bosch, Viessmann). Alle Werte sind Richtwerte und ersetzen keine Fachplanung im Einzelfall.






